Silvia Tito: Der Otto & Hermes Skandal
Mobbing bei Otto
Mobbing intern bei Otto: Die Regel oder eine Ausnahme?
Schweres Mobbing gegen eine Otto-Mitarbeiterin:
Cäcilia wurde im September 1998 Mitglied der Mobbing-Zentrale e. V. und arbeitete schon früh als ehrenamtliche Sekretärin mit bei uns im Büro. Sie hatte eine sehr fröhliche Art und zeichnete sich durch viel Verständnis für andere Betroffene am Telefon aus. Mit ihrer Fröhlichkeit konnte sie jeden anstecken.
Ich war die erste Mobbing-Beraterin, die ihre komplette Akte durchgelesen hatte und verstand, wie es zu diesem Konflikt kommen konnte. Hier eine kurze Zusammenfassung:
Cäcilia kam aus dem Osten und hatte es durch Beharrlichkeit erreicht, dass sie ausgewiesen wurde. Wer sonst aus Ossi-Land kann das von sich sagen! Sie fing beim Otto-Versand in Hamburg an. Endlich in einem freien Land, mit ihrer unbeschwerten, fröhlichen Art ging sie auf die Wessis zu. Der Otto-Versand kam auf die glorreiche Idee eine Mitarbeiterbefragung durchzuführen und Cäcilia, in ihrer unbedarften Art, hat dort rein geschrieben, was sie über die Vorgesetzten dachte. Sie war ja schließlich endlich in einem Land mit freier Meinungsäußerung. Die Chefetage war entsetzt und rief alle Mitarbeiter ihrer Gruppe zusammen. Man hoffte wohl, dass Cäcilia ihre Aussagen entschärfen oder relativieren würde.
Aber doch nicht unsere Cäcilia!
Sie blieb dabei! Die runter gesetzten Waren für die Mitarbeiter reißen sich die Chefin und ihre Stellvertreterin unter den Nagel, fahren mit einem Transporter vor und verscherbeln das Zeug auf dem Fischmarkt. Daran gab es nichts zurückzunehmen. Die einfachen Mitarbeiter könnten nicht mal ein runter gesetztes Kaffeeservice für 5 Mark kaufen.
Die Folge? Cäcilia wurde ausgegrenzt, versetzt, abgemahnt. Sie wurde als Pferdestreichlerin beschimpft. Nach ihrem Afrikaurlaub war sie die Negernutte, die Damen vom Otto-Versand waren da recht schöpferisch. Beschwerden wurden heruntergespielt, der Betriebsrat tat nichts. Über 200 Abmahnungen hat Cäcilia erhalten. Sie wurde gekündigt, mußte wieder eingestellt werden. Dieser Kampf dauerte mehrere Jahre. Sie erteilte mir eine Vollmacht und ich schrieb Herrn Otto an. Ob der meine Briefe je erhalten hat, weiß ich nicht. Ich erhielt den Hinweis, Herr Otto wolle sich mit dem Fall Cäcilia Rogge nicht mehr befassen. In der Folgezeit verlor Cäcilia 6 Kündigungsschutzprozesse, klagte immer wieder auf Wiederaufnahme, schrieb Beschwerden an Aufsichtsbehörden, Richter, Senatoren usw. Sie war sehr fleißig und stellte sich mit einem großen Schild “Korruption, Unrechtsstaat usw” jeden Tag: vor das Arbeitsgericht, das Amtsgericht, die Behörde für Justiz, das Rathaus und den Ottoversand.
Dann war die Woche um.
In der Folgezeit beklagte sie sich über unerträgliche Schmerzen, war im Krankenhaus. Man stellte Vergiftungen fest. Später ließen sich die Unterlagen nicht mehr auffinden. Immer wieder erständigte sie mich, es sei jemand in ihrer Wohnung gewesen. Sie wurde immer verstörter und erzählte nur noch unzusammenhängend. Man hatte Mühe ihrer Darstellung zu folgen.
Jetzt ist sie tot und die Verantwortlichen versuchen diesen Fall totzuschweigen.
Das darf nicht passieren.
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