von Frau Tito vom 11.02.2010:

Frau Tito dankt allen Fachleuten und Mitmenschen für die tolle Mitarbeit in dieser Sache. Ganz besonders bedankt Frau Tito sich bei Behördenmitarbeitern, Polizei-, Zoll- und Kripobeamten, Journalisten und Rechtsanwälten, die ihr zudem volle Sympathie für ihren Einsatz der Otto- und Hermes-Geschädigten entgegen brachten.

Ich, Silvia Tito, danke meinen gegnerischen und stets arroganten Herren aus dem Hause Otto für dieses Projekt und für die interessanten Jahre meiner Ermittlungen , die sehr spannend waren.

Das Otto-Projekt ist nach acht Jahren zum Selbstläufer geworden und ich übernehme nur noch einzelne Einsätze, wenn Frau Tilger die Shop-Geschädigten, die später ihre Shop-Verträge durch meine Person fristlos kündigen lassen wollen, als akute Notfälle an mich weiterleitet.

Die Ermittlungsakten im Otto-Shop-Skandal wurden einer anonym zu haltenden Kanzlei übergeben und werden nun auf strafrechtliche Relevanz gegen die verantwortlichen Führungskräfte des Otto-Konzerns geprüft. Die internen Ermittlungen für Otto-Geschädigte bezüglich der IBA-Datenbankenliefen durch Frau Tito im Zeitraum von 2002 -2009.

Der Hermes-Skandal wird jetzt zur Chefsache von Frau Tito erklärt, da die dort die Missstände für Fahrer, Subunternehmer und teilweise auch für die Sat-Depotbetreiber unseren intensiven Einsatz erfordern!

Nun kommt der ruinierte Ehemann einer Otto-Geschädigten zu Wort:

(Auszüge aus seinem Brief)

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte mich mit einem bundesweiten Skandal an Sie wenden und hoffe, Sie nehmen sich der Sache an. Mein Name ist Reinhard G., ich bin von Beruf Bauarbeiter, 49 Jahre alt. Ich möchte Ihnen schildern, wie der OTTO Versand wirtschaftliche Macht missbraucht, Partner betrügt, sich enorme zusätzliche Einnahmen sichert von Menschen, die er ohnehin schon ruiniert hat und sich obendrein wahrscheinlich durch angebliche „Verluste“ Steuern in Millionenhöhe spart. Und ich möchte Ihnen schildern, wie für all das am Ende der unschuldige „Partner“ und Mandant, in diesem Falle meine Frau, zahlen soll. Meine Frau war vom 01. Mai 1991 bis 31. Juli 1997 Vertragspartner des OTTO Versand Hamburg. Sie betrieb eine Agentur und hat im genannten Zeitraum Ware im Gesamtwert von mehr als 6 Mio. DM bewegt.

Am 31. Juli 1997 schlossen wir die Agentur – finanziell und gesundheitlich am Ende. Wie für viele andere Agentur-Partner des OTTO Versand endete diese Geschäftsbeziehung damit, dass der OTTO Versand aufgrund einer „Kontoendabstimmung“ noch sehr viel Geld haben wollte – von meiner Frau 33.023,66 DM.

Bei keiner der zahlreichen Kontrollen und Tiefenprüfungen über mehrere Tage durch verschiedene Mitarbeiter das OTTO Versand war je festgestellt worden, dass in der Agentur meiner Frau auch nur ein einziger Pfennig verschwunden ist. Im Gegenteil, alle Feststellungen ergaben, dass sie immer korrekt und entsprechend der Vorschriften gearbeitet hat. Selbst Mitarbeiter des OTTO Versand schätzen die seit 1993 in unterschiedlicher Höhe bestehenden angeblichen Minussalden als unrealistisch ein.

Es liegt der Beweis vor, das das OTTO-eigene Zahlenwerk ein Guthaben für die Agentur in Höhe von 44.626,66 DM ausweist. Ein Beweis dafür, dass private Gelder, wie bei einer der Kontrollen auch protokolliert, in das OTTO-Konto geflossen sind.

Die Addition des Zahlenwerks der Agentur-Kontoauszüge, herausgegeben vom OTTO Versand über die gesamten Zeit der Vertragsbeziehung, ergibt folgendes eindeutiges Ergebnis:

Belastungen des Agenturkontos (Rechnungen): 6.067.304,09 DM

Entlastungen des Agenturkontos (Zahlungen und Gutschriften): 6.111.930,75 DM

Differenz (Guthaben der Agentur): 44.626,66 DM

Alle Kontoauszüge sind vorhanden, das Ergebnis kann jederzeit und von jedermann überprüft werden.

Das Thema „Minus in der Agentur“ war während der gesamten Vertragslaufzeit stets gegenwärtig und bundesweit in den Agenturen gefürchtet. Auf allen Auszeichnungsveranstaltungen für die umsatzstärksten Agenturen übte die oberste Leitungsetage des OTTO Versand stets massiv psychologischen Druck auf die Agenturinhaber und ihre Ehepartner aus. Man habe schon wieder mehrere Agenturen schließen müssen, sie hatten bis 500 TDM Minus.

Auch bei jedem Besuch der Fachberater oder anderer Mitarbeiter des OTTO Versand wurde dieser Druck aufrechterhalten. Ständig fielen Sätze wie: Wir haben wieder eine Agentur schließen müssen, hohes Minus.

Es war psychologische Kriegsführung und ein Spiel mit der Scham, die ehrliche Menschen von Natur aus besitzen. Ein Druckmittel, das seine Wirkung tat. So wurde aus Privatgeldern an den OTTO Versand gezahlt, nur um kein Minus zu haben.

Jede Agentur, die sich mir und meiner Frau in einem unter-4-Augen-Gespräch öffnete und anvertraute gestand, Geld meist schon vor der gefürchteten „Kontoabstimmung in die Kasse zu legen für unerklärliche Minussalden oder Abzahlungsverpflichtungen unterschrieben zu haben. Auch der Konsum, nach der Wende einer der ersten „Agenturpartner“ des OTTO Versand beendete diese „Partnerschaft“ nach Aussage einer leitenden Mitarbeiterin mit einem unerklärlichen hohen Minussaldo. Während der Vertragslaufzeit wurde das Agenturkonto meiner Frau, und ich nehme an auch die Konten der anderen Agenturen, mit einer Flut von Falschbuchungen belastet. Rechnungen wurden zu einem höheren Betrag ins Konto gebucht, als sie tatsächlich auswiesen.

Gutschriften für zurückgesandte oder nicht gelieferte Ware erfolgten zu einem geringeren Wert, als sie berechnet worden waren. Warenwert und Eilaufschlag ergaben in der Addition einen höheren Wert als der , der gutgeschrieben wurde. Die Einzelbeträge einer Rechnung ergaben einen niedrigeren Wert als den, der als Rechnungsendbetrag ausgewiesen war. Der Agentur wurden Versandkosten, Vorteilskaufaufschläge und mehrmals pro Tag Eilaufschläge berechnet.

Die Zuordnung der Gutschriften konnte nicht vorgenommen werden, weil jegliche Angaben wie Rechnungsdatum und Rechnungsnummer fehlten.

Fehlende Gutschriften wurden bis zu 4 Jahre lang verschleppt und erst nach einem enormen Kraftaufwand und unzähligen Telefonaten mit der Kundenbetreuung erledigt. Die Agentur erhielt während der gesamten Vertragslaufzeit „Korrekturrechnungen“, d.h., ihr wurde Ware in Rechnung gestellt ohne jede Lieferung.

Eine Erklärung hat es trotz unermüdlichen Anmahnens einer solchen nie gegeben. Alle diese Buchungen und das waren im Laufe der Jahre wahrscheinlich etliche Tausend, wirkten sich immer zugunsten des OTTO Versand aus – nicht eine einzige Falschbuchung gab es versehentlich zugunsten der Agentur.

Im Gegenteil – jede unentdeckte Fehlbelastung bedeutete ein Minus für die Agentur. Der Verursacher dieser „Schuld“ war jedoch der OTTO Versand.

Verantwortlich für das Finden der Fehler machte der OTTO Versand die Agentur. Er selbst wies jede Verantwortung von sich. Und ich unterstelle, die Leitungsetage hoffte, die Agentur findet so wenig wie möglich. Es gab keine Erklärungen, keine Entschuldigungen oder Auswertungen dieser massiven Falschbuchungen. Im Gegenteil. Die einzige, stets sehr laut und mit Nachdruck geäußerte Antwort darauf lautete: „Nur Sie sind für Ihr Konto verantwortlich!!!“

Dahinter steckte System. Systematisch wurde das Konto in ein Minus geführt. Systematisch wurde der Agenturpartner psychologisch demontiert. Finanziell bis in die letzte Privatreserve abgeschöpft und mit einem vermeintlichen Minus standen die Chancen für die „Partner“ schlecht. Mit massiven Drohungen und unter starkem Druck verpflichteten sich „Partner“ des OTTO Versand diese angeblich vorhandenen Minussalden, durch Zahlungen von der ohnehin beschämenden Provision von 10% für Umsatz (Retouren wurden nicht vergütet, obwohl sie die meiste Arbeit machen und einen großen Anteil im Versandhandel einnehmen) an den OTTO Versand zu leisten. Viele, so auch wir, legten darüber hinaus über Jahre eine große Summe privater Gelder, selbst noch von meinem hart erarbeiteten Bauarbeiterlohn, in die OTTO Kasse.

War man nicht willig, Kontoabstimmungsprotokolle oder Abzahlverpflichtungen zu unterschreiben, wurde sofort mit Schließung der Agentur und einer Klage vor Gericht gedroht. Solche Klagen, hieß es, hätte man immer gewonnen und die Richter würden immer der Darstellung des OTTO Versand auf den Kontoabstimmungsprotokollen folgen.

Der OTTO Versand wusste genau, die Partner, ausgelaugt in jeder Beziehung und finanziell am Ende, würden klein beigeben. Im Juli 1997, meine Frau war mit ihrer Kraft und gesundheitlich am Ende, die ganze Familie hatte alle Finanzen in das Fass ohne Boden mit Namen Agenturkonto gelegt, schlossen wir den Laden von einem Tag auf den anderen. Das, was die Zukunft im geeinten Deutschland werden sollte hatte sich als fataler Missgriff und Fluch für den Rest des Lebens herausgestellt.

Denn bis heute gibt es für meine Frau und mich kein Leben nach OTTO. So wie vermutlich für unzählige ehemalige oder Noch-Agenturpartner des OTTO Versand in Deutschland.

Im Januar 1999 erhielt meine Frau einen Mahnbescheid über 33.023,66 DM vom Amtsgericht Hamburg. Dem hat sie aufgrund der o.g. Beweise und im Wissen um ihre Unschuld widersprochen. Am 8. Mai 2000 klagte der OTTO Versand beim Amtsgericht Cottbus auf Zahlung der 33.023,66 DM. Am 28. 11.2002 fand eine Verhandlung statt.

Richter R. erhielt alle Kopien der Kontoauszüge überreicht. Am 19. 12. 2002 wurde das Urteil verkündet und wir wurden zur Zahlung an den OV verurteilt, obwohl dem Richter die Beweise vorlagen, dass die Aufrechnung des OV nicht stimmt , sondern dass wir eine Zahlung vom OV in Höhe von 44 TDM zu bekommen hätten. Der Richter beruft sich darauf, meine Frau hat auf den „Kontoabstimmungen“ eine Unterschrift geleistet, wenn auch nicht auf der letzten und wenn sie auch die Anerkennung einer „Differenz/Eigenkauf“ verweigert hat, ist damit eine Schuld anerkannt.

Inzwischen erhält meine Frau Post des vom OTTO Versand gegründeten Deutschen Inkassodienst Hamburg. Mit Schreiben vom 11. Januar fordert er 18.738,73 €. Mit Schreiben vom 09. 02. 03 bietet er die Zahlung eines einmaligen Vergleichsbetrages in Höhe von 6600.-€ bis zum 09. 03. 2003 an. Die Restschuld würde jedoch bei einer Verbesserung der Vermögensverhältnisse oder Entstehung einer Aufrechnungslage fällig. Für meine Frau und mich sieht es zur Zeit so aus, als sollte die ehemalige „Partnerschaft“ mit dem OTTO Versand uns im Alter von 50 Jahren den Todesstoß versetzen. Als sollten wir den Rest des Lebens gejagt vom Gerichtsvollzieher verbringen. Vielleicht bedeutet es den Verlust der gesamten Existenz.

Aber noch glaube ich an Gerechtigkeit und an die Worte von Herrn T.: „In einem Rechtsstaat muß der Anklägerdem Angeklagten seine Schuld beweisen.“ Ich fordere Gerechtigkeit. Und ich fordere, dass unser Staat, dem es wirtschaftlich sehr schlecht geht, die „Verluste“ des OTTO Versand prüft. Bei damals 1700 Agenturen kommen einige Millionen zusammen. Alle können sich Fehler leisten, für die Frau G. am Ende zur Kasse gebeten wird. Das kann nicht sein.

Bitte helfen Sie mit der Kraft der Medien uns und den anderen „Schuldnern“, Menschen die betrogen worden sind. Gegen die ein milliardenschwerer Konzern seine wirtschaftliche Macht gnadenlos ausspielt. Der für Geld über Leichen geht. (Einige Agenturen haben inzwischen erfolgreich gegen den OTTO Versand wegen Scheinselbstständigkeit geklagt.)

Mit freundlichen Grüßen

Name bleibt anonym